Werner Rataiczyk (1921-2021)
Neu in der Werk-Datenbank (8/15): Werner Rataiczyk (https://werkdatenbank.bbk-sachsenanhalt.de/index.php?pn=person&id=8)
Wir trauern um Werner Rataiczyk! Er verstarb einen Tag, nachdem wir sein Verzeichnis in der Werk-Datenbank veröffentlicht hatten. Aus seinem Werkverzeichnis ist nun ein Nachlassverzeichnis geworden.
Die Erfassung des Werkes von Rosemarie und Werner Rataiczyk macht exemplarisch die Vorteile der Werk-Datenbank deutlich. Parallel zur Erschließung der nun veröffentlichten Objekte im Rahmen des Pilotprojekts 2018 bis 2020 nutzte die Familie das Erfassungsmodul der Datenbank zur Strukturierung der Werkgruppen und zur möglichst lückenlosen Dokumentation. Nach Ende des Pilotprojekts, wenn auch weitere Künstler*innen aufgerufen sind, ihr eigenes Werk selbst mithilfe dieses Werkzeuges zu dokumentieren, kann dieses Beispiel – so hoffen wir – Schule machen: Die Erstellung von Werkverzeichnissen findet in der Datenbank eine übersichtliche Vorbereitung.
Werner Rataiczyk wurde 1921 in der Lutherstadt Eisleben geboren und starb am 3. Januar 2021 in Halle (Saale). Nach einer Lehre als Gebrauchsgrafiker wurde er 1940 zum Reichsarbeitsdienst und später 1941–45 als Soldat nach Nordafrika und Italien eingezogen. Während seiner britischen Kriegsgefangenschaft absolvierte er ein Studium an der „Lageruniversität“ Fayid bei Georg Roppel und Gerhard Wendland. 1947 konnte er in die Heimat zurückkehren und studierte bis 1952 Malerei bei Erwin Hahs an der Burg Giebichenstein in Halle (Saale). Nach seinem Diplom wurde er 1952 in den VBKD aufgenommen. Seitdem lebt und arbeitet er in Halle (Saale).
1952 heiratete er Rosemarie Rost. Gemeinsam mit ihr, der Malerin Rosemarie Rataiczyk, baute er eine eigene Gobelinwerkstatt für Bildwirkerei auf. In den Jahren von 1955 bis 1999 entstanden mehr als fünfzig zum Teil großformatige Gobelins. Von 1966 bis in die Mitte der 1970er Jahre beschäftigte er sich mit der Lithografie, es folgte der Aufbau einer eigenen Lithowerkstatt. In den Jahren von 1966 bis 1992 entstanden immer wieder Entwürfe für Glasfenster für die katholische und evangelische Kirche wie auch für profane Gebäude. Die Ausführungen erfolgten in unterschiedlichen Betrieben. (Auszüge aus https://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Rataiczyk) Werke Rataiczyks befinden sich u.a. im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), in der Kunsthalle Bad Kösen, im Museum Schloss Bernburg, im Museum Greifswald, der Kunstgalerie Gera und in der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Der Künstler erhielt 1966 den Kunstpreis der Stadt Halle (Saale) und 1974 den Händelpreis des Bezirkes Halle.
Das Verzeichnis der Ausstattung für Glasgestaltung von Werner Rataiczyk wurde erstellt von Katharina Lorenz (TEXT•BILD•WERK), Halle (Saale), in enger Zusammenarbeit mit dem Sohn des Künstlers, Matthias Rataiczyk. Im Rahmen des Projekts wurden die Bestände „Ausstattung Bühne/Film“ (1 Werk), „Glasgestaltung“ (7 Werke), „Grafik“ (6 Werke) und „Malerei“ (27 Werke) sowie ein gemeinsamer Textil-Bestand von Rosemarie und Werner Rataiczyk (10 Entwürfe) erstellt. Hauptaugenmerk liegt von 1947 bis 2013 auf seiner Malerei, wobei die Auswahl stets Werke aus verschiedenen Perioden bevorzugt, um exemplarisch Rückschlüsse auf die Entwicklung des Künstlers zu erlauben. Sie wird ergänzt durch Arbeiten, die genauso bedeutend für Rataiczyks Schaffen stehen: Glasarbeiten der entsprechenden Hauptperiode von 1963 bis 1993, Kartons und Teppichentwürfe für die Gobelins seiner Frau Rosemarie Rataiczyk und Grafiken, ebenfalls aus dem großzügigen Zeitraum von 1949 bis 2001. Einer Besonderheit in Rataiczyks Schaffen widmet sich der zusätzliche 51. Datensatz mit seiner Tätigkeit als Ausstatter, sprich Bühnenbildner und Figurendesigner für die DEFA-Produktion „Feffis kunterbunte Abenteuer“. Damit bildet die Pilotauswahl die zentralen Pfeiler ab, auf die sich das Gesamtwerk Werner Rataiczyks stützt, fokussiert aber ebenso seinen generellen künstlerischen Werdegang und lässt damit Rückschlüsse auf die Genese seines künstlerischen Schaffens zu.
Beispiel aus der Werk-Datenbank (https://werkdatenbank.bbk-sachsenanhalt.de/index.php?pn=item&id=362):
Werner Rataiczyk: Die vier Elemente, 1962/63
Gobelin (Schuss: Kammgarn, Kette: Baumwolle), 640 x 250 cm
Edition: Einzelstück
Personen (Rolle): Rataiczyk, Rosemarie; Rataiczyk, Werner
Objektbeschreibung: Entwurf: Rosemarie u. Werner Rataiczyk, Ausführung: Rosemarie Rataiczyk
Aktueller Standort: Technische Hochschule Halle-Merseburg
Bemerkungen zur Provenienz: Auftraggeber: Staatssekretariat für Hochschul- und Fachschulwesen Berlin, Technische Hochschule für Chemie, Merseburg
Kernbestand: ja; Vorlassbestand: nein
Foto: Werner und Rosemarie Rataiczyk

