Robert Propf (1910-1968)

Neu in der Werk-Datenbank (7/15): Robert Propf (https://werkdatenbank.bbk-sachsenanhalt.de/index.php?pn=person&id=26)

Der Bildhauer Robert Propf (1910-1968) dürfte den meisten Kunstinteressierten in Mitteldeutschland heute unbekannt sein. Dabei hat er in und um Köthen viele Spuren, insbesondere im öffentlichen Raum und in Kirchen, hinterlassen. Dass seine Nachfahren von der Ausschreibung zur Werk-Datenbank erfahren und sich erfolgreich beworben haben, erlaubt nun erstmals eine umfassende öffentliche Dokumentation einer Auswahl seines Werkes. Bislang existierte lediglich eine wissenschaftliche Studie, die unveröffentlicht blieb. Das Werk Propfs ist nicht unproblematisch, fand es doch während des Nationalsozialismus ebenso große Beachtung wie nach 1945 in der Bundesrepublik und in der Deutschen Demokratischen Republik.

Robert Propf wurde 1910 in Köthen geboren. Ab 1926 begann er seine künstlerische Ausbildung zunächst mit einer praktischen Lehre als Holzbildhauer in Dessau. Ein Jahr später nahm er Kurse im Zeichnen und Modellieren an den Dessauer Technischen Anstalten. Ab 1928 erfolgte eine zwei Semester umfassende Ausbildung an der Holzschnitzfachschule im schlesischen Warmbrunn. Ein Jahr später schrieb Propf sich an der Staatlichen Hochschule für bildende Kunst in Weimar für die Bildhauerklasse ein. Nach wiederum zwei Semestern wechselte er zur Akademie der bildenden Künste nach Wien und setzte dort 1930/1931 seine Studien fort. Es schloss sich eine fünfjährige Ausbildung an der Akademie der bildenden Künste in Dresden an (1931–1936). Ab 1936 begann Propf seine freischaffende Tätigkeit in Essen/Ruhr. Nach der Bombardierung der Stadt Essen und der Zerstörung seines Atelierhauses kehrte er mit seiner Familie 1943 nach Köthen zurück. Propf richtete sich im Schlossbereich ein Atelier ein, das über 40 Jahre seine Wirkungsstätte wurde. Werke Propfs befinden sich in folgenden öffentlichen Sammlungen: Kunsthistorisches Museum Wien, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, Historisches Museum Köthen, Naumann-Museum Köthen.

Die Verzeichnisse zu Propf wurden erstellt von Sven Pabstmann, Halle (Saale). Das Œuvre Propfs beinhaltet neben zahlreichen autonomen grafischen Arbeiten vor allem monumentale Denkmalplastik, Bauplastik und -ornamentik, Grabmal- und Brunnenplastik, Porträtplastik, Plaketten und Medaillen, Sgraffiti, Mosaike und Scagliola sowie sakrale Kunst wie Glasbildfenster und Kirchenmöbel. Propf hat in Holz, Messing, Kupfer, Terrakotta und Stein sowie mit Bronze, Eisen und Kunststein gearbeitet. Sein bildhauerisches Gesamtschaffen umfasst etwa 1.300 Werke. Sein Nachlass befindet sich in Familienbesitz und umfasst heute noch etwa 60 Plastiken (Gipsmodelle), 90 Plaketten und ca. 1.800 Zeichnungen. Der Nachlass gelangte nach mehreren Ortswechseln, durch die es zu Beschädigungen an den Skulpturen und auch Verlusten gekommen ist, schließlich nach Dessau-Mosigkau, wo er seit etwa 10 Jahren in einem separaten Raum auf dem Grundstück einer Enkelin des Bildhauers untergebracht ist. Eine wichtige Grundlage für die Bearbeitung des Nachlasses bildete neben alten Ausstellungskatalogen und dem Bildarchiv Propfs, in dem der Bildhauer sämtliche Arbeiten seit den späten 1920er Jahren nahezu lückenlos fotografisch dokumentiert hat, das von der Kunsthistorikerin Claudia Bergner-Jenkner M.A. im Rahmen ihrer Magisterarbeit (2001) erstellte Werkverzeichnis. Auf dieser Basis und durch die Sichtung des Nachlassbestandes wurde für die Einspeisung in die Werk-Datenbank Bildende Kunst Sachsen-Anhalt eine Auswahl von insgesamt 62 Werken getroffen. Das Hauptaugenmerk ist dem Schwerpunkt von Propfs Schaffen folgend ausschließlich auf die Bildhauerwerke aus den frühen 1940er Jahren bis um das Jahr 1980 gerichtet. Das umfangreiche Zeichnungskonvolut (1.800 Handzeichnungen) blieb hierbei unberücksichtigt, da die Sichtung und Bearbeitung des weitgehend unerschlossenen Bestandes als zu zeitaufwendig eingestuft wurde.

Beispiel aus der Werk-Datenbank: https://werkdatenbank.bbk-sachsenanhalt.de/index.php?pn=item&id=3865

Robert Propf: Chloe (Torso), 1942-1946, Stucco oder Terrakotta, 54 cm hoch

Edition: Einzelstück
Alternative Titel: Fragment von Cloë
Entstehungsort: Köthen (Anhalt)
Aktueller Standort: Dessau-Mosigkau, Nachlassdepot; Aktuelle
Inventarnummer: 11; Zugangsart: Nachlass
Kommentar / Kontext / Wirkungsgeschichte: Für die Zeche „Hibernia“ in Herne in Lebensgröße als Ganzfigur ausgeführt und nach 1950 in Kunststein auch im Garten des Krankenhauses West in Köthen aufgestellt (beide zerstört). Die lebensgroße weibliche Aktplastik „Cloe“ (oder Chloë) taucht gleich in mehreren Kopien auf, von denen eine im Garten des Casinos von Herne steht, während die andere im Park des Köthener Krankenhauses ihren Aufstellungsort findet. Eine Aufnahme aus Propfs Atelier von 1941 beweist die Existenz des Gipsmodells schon für das Jahr 1941 (BAP 080a.9). Die grazile Figur eines jungen Mädchens für den Casinogarten in Herne (BAP 091.1-2) wird 1943 in Steinguss abgegossen, während die Skulptur für Köthen (BAP 091.3) erst 1950, ebenfalls Steinguss, im Krankenhausgarten aufgestellt wird. Der Name „Cloe“ ist der Beiname der Frühlingsgöttin Demeter, die offensichtlich als Schmuckfigur in beide Zusammenhänge hineinpasst. Die Darstellung der Frühlingsgöttin belegt das stetige Interesse des Bildhauers an antiker Mythologie, aber auch den Wunsch der Auftraggeber nach dekorativer, lebensfroher Plastik in den letzten Kriegsjahren (vgl. Berger-Jenkner 2002 (Bd. 1), S. 108).

Kernbestand: ja; Nachlassbestand: ja
Zustand: Restaurierungbedarf
Sachindex: Mythologie
Foto: Joerg Lipskoch, 2020